Linux-Historie
der Anfang
Im Herbst 1999 wurde der Wunsch meiner Tochter (knapp 8 Jahre) einen eigenen PC zu besitzen immer stärker. Als erfahrener PC-Anwender weiß man natürlich, daß es bei einem PC nicht bleibt (ich denke da so an meine Entwicklung) und irgendwann steht dann sicher auch das Internet an. Dann braucht das Kind ja auch einen Telefonanschluß (ja, das ging damals noch über die Telefonleitung :-) ) im Zimmer. Und die Disketten bzw. CD's zum Installieren der verschiedenen Software oder Updates wollte ich auch nicht im Haus rumschleppen. Und außerdem soll ja auch der Drucker nicht ständig hin und her geschleppt werden; irgendeinem fällt er dann auch sicher runter und er ist hin. Weiter stellte mir mein Sohn (5 1/2 Jahre) schon in Aussicht, das Ganze sei bei ihm auch bald zu installieren ....
So wuchs in mir der Entschluß: ein Server und ein LAN müssen her. Damit würden alle meine Probleme gelöst. ;-) .
Als PC-Interessierter hatte ich schon einiges von Linux gehört, u. a. auch wahre Wunder ;-). Filesharing, Printersharing, Modemsharing alles kein Problem!
Nein im Ernst, an Linux fand ich hervorragend, daß es ein freies Betriebssystem ist und man an jeder Ecke im Internet Hilfe/Tips etc. bekommen kann. Außerdem stimmt der Preis für ein solches Server-Betriebssystem (bei einem Home-LAN ein nicht zu verachtender Faktor). Weiter liegt den Distributionen so ziemlich alles bei, was man erst mal braucht und das schon wieder ohne zusätzlichen Griff in die Geldbörse.
Mein 1. Server
Da ich meinen eigenen Rechner gerade aufgerüstet hatte, war das alte Board (486DX2) mit der HD (1GB SCSI) ja übrig und von meinem ersten Rechner hatte ich ja noch ein Desktop-Gehäuse und einen Monitor mit Grafikkarte (alles monochrom !). Ich habe dann einige Zeit in den Newsgroups mitgelesen und auch schon meine ersten Fragen gestellt. Daher wußte ich, daß mein alter Hercules-Monitor ohne Probleme unter LINUX zu betreiben war ebenso wie das alte Board. Und irgenwann - ich glaube es war im Dezember 1999 - las ich im Internet von einer Sonderaktion: SuSE 6.3 für DM 70,-. Da die SuSE-Distribution zu diesem Zeitpunkt als recht einfach für Neulinge galt, habe ich dann nicht lange überlegt und zugeschlagen.
In der Zeit zwischen Weihnachten und Sylvester habe ich dann etwas Zeit gefunden. Nachdem der "alte" Rechner zusammengebaut war und ich mir in der Zwischenzeit gebrauchte Netzwerkskarten (3COM, 10MBit) sowie ein Crosskabel besorgt hatte, habe ich die Boot-Diskette von SuSE ins Laufwerk geschoben, ein wenig im Handbuch geblättert und meine ersten Gehversuche unter LINUX gestartet. Irgendwie ging das ziemlich einfach weiter, die CD's wurden angefordert und LINUX selber lief ziemlich schnell. Das war schon ein Erfolgserlebnis. Die Hardware (ASUS-Board SP3G mit SCSI-Onboard-Controler, Hercules-Grafikkarte, 1GB SCSI-Platte, 1,7GB IDE-Platte, 3Com-Netzwerkkarte (ISA), 2-fach CD-ROM-Laufwerk) wurde komplett und ohne Probleme erkannt. Das war irgendwie ganz ander als bei dem Fenster-BS ... :-). Nur die grafische Oberfläche kam nicht ans Laufen, aber das war auch nicht so schlimm, denn mit grafischer Oberfläche wird ein 486DX2 ja doch zu langsam. Als Server für mein Home-LAN ist dieses alte Gerät ohne grafische Oberfläche aber durchaus zu gebrauchen.
Nachdem dann auch die Verbindung mit der Windows-Kiste einwandfrei funktionierte (ich mußte dazu mehr an der Windows-Kiste konfigurieren als an dem Server) habe ich mich an die Installation des Modems herangemacht. Auch das war wie alles andere recht gut im dicken Handbuch beschrieben und schon war ich drin ;-). Die Anwahl mußte zwar noch von Hand (erst über telnet, später über PuTTY) erfolgen, aber das war auch so gewollt, denn ich wußte ja nicht, ob alles richtig konfiguriert war (sowohl auf dem Server als auch auf der Windows-Kiste). Schließlich wollte ich nicht, daß der Server selbsttätig wählt und mir meine Telefonrechnung hochjagt. Später habe ich mich dann auch an "Dial on Demand" (DoD) herangewagt.
Anschließend kam SAMBA an die Reihe, denn der Server sollte ja auch als Fileserver dienen. So richtig komfortabel ging das mit Samba aber erst, als ich SWAT installiert habe. Und in einem Browser herumklicken, das kann sogar ich ....
Später habe ich die Administration von SAMBA dann über WEBMIN gemacht.
Dann kam ein Kapitel, daß mich viel Zeit gekostet hat. Zugegeben, es kam auch ein bischen Frust dabei auf: ich habe versucht, SENDMAIL zu konfigurieren. Irgendwie lief das aber nicht so ab, wie ich es wollte. Entweder wurden nur lokale Mails zugestellt und nichts ins Internet weitergeleitet oder es wurden alle Mails über das Internet geschickt, selbst die lokalen Mails. Zwischenzeitlich habe ich auch POSTFIX ausprobiert, hatte aber wohl nicht die Ruhe, die Konfiguration vernünftig und überlegt zu machen. Das Dilemma mit den Mails habe ich erst in den Griff bekommen, als ich die Sendmail-Konfiguration über Yast abgestellt und WEBMIN installiert habe. Das war einer der Lichtblicke. Die Bedienung/Konfiguration des gesamten Servers kann man dann über einen Browser von der Windows-Kiste aus machen. Das kam mir als Windows-User doch sehr gelegen. Jedenfalls brauchte ich mich nicht so sehr mit den Internas von SENDMAIL auseinander zu sezten. Ich wollte ja nur, das die Mails ordentlich rein und raus kamen. Ich hatte mit WEBMIN jedenfalls ziemlich schnell die Einstellungen für SENDMAIL raus und nach der Anpassung von einigen Aliasen kommen die Mails rein und raus, so wie ich das will.
Dann wollte ich natürlich auch einen FAX-Server nutzen. Den halte ich für sehr praktisch, denn man ist mit dem Schriftverkehr per Fax schneller und preiswerter als mit dem Brief. Ich habe dann HYLAFAX installiert. Das ging soweit auch ganz gut und nachdem ich mir dann auch einen Postscript-Drucker installiert und einen entsprechenden Windows-Client (WHfC) besorgt hatte, konnte ich auch ohne Probleme faxen. Dachte ich jedenfalls, denn bei mir gingen die Faxe ziemlich ordnungsgemäß raus. Bis ich mal das Ergebnis von der Empfängerseite gesehen habe :-(. Das erste Drittel des Faxes kommt so an wie es soll. Dann wird das Fax bzw. der Text/Grafik irgendwie komprimiert so daß man nichts mehr erkennen kann. Zuerst habe ich mir damit beholfen, daß ich parallel zum Modem am Server ein altes 14.4-Modem (faxen geht ja auch nicht schneller) am Windows-Rechner habe. Ich konnte dann halt nur von diesem Windows-Client aus faxen. Das war aber nicht so tragisch, da ich ja doch allen Schriftverkehr mache und dann sowieso an diesem Rechner sitze.
Nachdem ich mich dann noch ein wenig eingehender mit der Konfiguration beschäftigt habe, bin ich jetzt einen Schritt weiter: das Faxen klappt hervorragend. Ich mußte in den Modemoptionen nur XONXOFF einschalten und schon geht alles wie es soll.
Irgendwann war ich es dann leid, immer per Hand über PuTTY die Internetverbindung zu starten und so habe ich das DoD-Script von SuSE ausprobiert. Leider funktionierte das aber auch noch nicht so richtig. Wenn ich als root auf dem Server DoD starte, klappt alles hervorragend aber sobald ich vom Win-Client als normaler User Zugriff auf's Internet haben will, hängt die Verbindung. Ich habe dann bemerkt, daß ich im DoD-Script die gleiche IP-Adresse für den Server eingegeben hatte, wie sie der Rechner hat - und dann hängt route irgendwie, verständlicherweise.
DoD läuft jetzt relativ gut bis auf den Umstand, daß der Server sich hin und wieder einwählt und ich noch nicht weiß, warum :-(. Da arbeite ich aber dran ...
Tja, jetzt (Mai 2001) scheint auch DoD zu funktionieren. Nachdem ich einigen Cron-Scripten abgewöhnt habe, den DoD-Dienst in Anspruch zu nehmen, scheint dieser Dienst bei mir ganz vernünftig zu funktionieren und wird jetzt auch beim Booten automatisch gestartet.
Da auf meinem Rechner (Client) auch private Daten (Finanzverwaltung, d.h. Onlinebanking etc.) vorhanden sind, wollte ich natürlich auch eine größtmögliche Sicherheit in Bezug auf Zugriff aus dem Internet. Mit IPCHAINS hatte ich ja im Zusammenhang mit DoD schon ein wenig herumexperimentiert. Aber eine echte Firewall konnte man das nicht nennen. Ich habe dann auf der Homepage von Berthod Müller (ist leider nicht mehr online :-( ) ein sehr gutes Kochrezept mit den dazugehörigen Erläuterungen gefunden, mit dessen Hilfe ich mich in die Problematik der Firewall-Regeln einarbeiten konnte. Und nachdem mir jemand aus den Newsgroups noch einen Link zum Testen der Firewall gegeben hat, bin ich restlos zufrieden. Unter der Voraussetzung, daß die über diesen Selbsttest erhaltenen Informationen richtig sind, habe ich jetzt eine auf meine Belange zugeschnittene Firewall. Das beruhigt mich doch sehr ...
Mittlerweile läuft mein Netzwerk /Server zu meiner vollsten Zufriedenheit. Der Installationsaufwand war sicher nicht unerheblich, hat sich aber aus meiner Sicht durchaus gelohnt. Die Kinder greifen immer - ohne daß Ihnen dies bewußt ist - auf die neuesten Virenscannerdateien zu (das gibt mir als Admin ja auch eine gewisse Sicherheit; die wird allerdings noch größer, wenn die Kinder älter werden und dann mehr mit dem Computer ausprobieren ;-) ), sie haben einen eigenen Mail-Account, Updates oder neue Software läßt sich sehr einfach verteilen. Diese Dienste wären ohne Server und Netzwerk sicher nicht so ohne weiteres realisierbar. Der Server benötigt z. Zt. auch keine weitergehenden Wartungsarbeiten - was will man mehr ....
Nachtrag Jan. 2006
Ja nach 7 Monaten Wartezeit habe ich DSLonAIR, die Wimax-Variante für DSL. Jetzt macht Surfen wieder spaß: Im Vergleich zum Modem ca. 100fache Geschwindigkeit :-).
Seit Oktober 2004 besitze ich auch ein PDA mit WLan-Schnittstelle. Damit kann ich dann zumindest ein paar Einstellungen am Server kontrollieren, ohne die große Kiste anzuschmeissen.